Großer können die Unterschiede nicht sein. Der neue 5er ... vollgestopft mit High-Tec und nervigem iDrive. Der BMW 2000 ohne Airbags, hier sterben wir noch wie Männer. Zentralverriegelung gab es maximal, wenn alle 4 Insassen gleichzeitig das Knöpfchen runter gedrückt haben.
Freut Euch auf einen Vergleichstest mit zwei Fahrzeugen, zwischen denen lediglich 37 Jahre liegen. Viel Spaß beim Lesen ...
Die sogenannte "Neue Klasse" produzierte BMW ab 1966 bis 1972. Die Modelle fristen heutzutage zu Unrecht ein Schattendasein neben seinem sportlichen Pendant, dem 2002. Unser Testwagen ist zwar nicht mehr im Serienzustand, aber dafür macht er so viel mehr Spaß und kann bei den Fahrleistungen des 530d mithalten. Beachtlich, aber wahr. Und das, wo der BMW 2000 stolze 37 Jahre alt ist.
Eine eindrucksvolle Vergaserfabrik füttert den Vierzylinder des 2000er BMW, beim 530d bleibt die Motortechnik hinter Plastik verborgen. Die dunkelblaue Limousine aus dem Jahr 1971 wurde aufwendig auf TI-Technik umgebaut. "TI" steht für "Touring International". Den den 70er Jahren war BMW mit seinen TI-Modellen der Schrecken der Autobahn und liess die Mitbewerber mit dem Stern blass aussehen. Nur eine Handvoll Porsche konnte mithalten. Serienleistung waren stolze 120 PS. Mittlerweile stehen dank 300° Grad Nockenwelle, überarbeiteter Kopf vom E21, Schmiedekolben und Feintuning rund 150 PS zur Verfügung. Dank Doppelvergaser zaubert das Wägelchen einen Sound auf die Strasse, der die Passanten die Köpfe verdrehen lässt.
Die Kraftübertragung kommt mittels geteilter Kardanwelle und Einscheibenkupplung über die Hinterachse auf die Strasse. Dem Piloten stehen 4 Gänge zur Verfügung. Wenn man bislang noch keine Oldtimer gefahren ist, erwischt man sich desöfteren dabei, in den 5.ten Gang schalten zu wollen. Das Fahrwerk mit Mc-Phersin Federbeine und hinten Schräglenkern hat die Motorleistung voll im Griff und es macht tierischen Spaß, mit dem Wagen durch die städtischen Kreisverkehrsanlagen zu petzen. Und um den Bomber auch wieder sicher stoppen zu können, gibt es vorne Scheibenbremsen und hinten müssen Trommelbremsen genügen.
Zum weiteren Umbau des BMW 2000 schreibe ich an dieser Stelle nichts, wer Interesse hat sollte mal hier vorbei surfen: www.automobilly.com/showcar
Der neue Fünfer hat an Statur gewonnen, feinste Technik an Bord, sieht blendend aus, und das Prestige stimmt sowieso. Aber eins trübt sofort den Gesamteindruck: der Knopf für das iDrive. Ich erinnere mich ungern an Fahrten im 7er. Das iDrive-System ist dort auch nach längerer Gewöhnung immer noch eine Zumutung. Aber die gute Nachricht: Im Fünfer hat BMW das Thema gekonnt entschärft. iDrive lauert hier zwar immer noch, aber es ist wirklich einfacher zu bedienen, und dazu gibt es einen Rettungsanker in Gestalt der Menü-Taste – und damit immer einen Ausweg.
Den Dreiliter-Diesel mit 218 PS ist ein leise und seidenweich laufenden Reihensechser. Der freundlich grummelnde Motor zieht nach einer kleinen Anlaufschwäche – so etwa ab 1600 Touren – richtig an, schüttelt seine Kraft dann lässig aus dem Ärmel.
Design: Unverkennbar Bangle. Das Design der neuen 5er-Limousine trägt unverkennbar die Handschrift von BMW-Chefdesigner Chris Bangle: Die Anleihen, die er in der Front und am Armaturenbrett beim Roadster Z4 gemacht hat und die gegenüber dem 7er-Heck dynamisierte Schlusspartie des 5er gefallen uns. Der Wagen wirkt mit weit ausgestellten Radhäusern sportlich, das Heck macht ihn kraftvoll und die Front hat aggressiven Charme. Nur an die Seitenlinie müssen wir uns noch ein wenig gewöhnen.
Fazit: der 530d ist für mich wie ein Learjet für die Strasse. Das Fahrwerk lässt die Insassen keine Schlaglöcher oder Unebenheiten spüren, Nick- und Wankbewegungen killt das "Dynamic Drive". Der Innenraum ist großzügig auf allen Plätzen, auch längere Reisen machen Spaß. Sobald man die Türe zu hat, ist der Alltagslärm draussen. Eigentlich ein perfektes Auto. Eigentlich? Ja, den eines fehlt ihm, was der BMW 2000 serienmäßig an Bord hat: Charme ....
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