Automobilly - Carparazzi

28 Juli, 2008

TestDrive: Fiat 500 Abarth - Der Skorpion ist zurück

Ich habe ihn gehabt. Kaum hat er das Licht der Welt erblickt, durfte er von mir für Euch getestet werden. Und ich bin streckenweise enttäuscht. Aber der Reihe nach ...

Fiat 500 ABARTH www.automobilly.com

Mit der Abarth-Version des 500er erhofft sich Fiat einen dicken Imageschub für die vor einem Jahr wiederbelebte Traditionsmarke Abarth. Könnte gelingen, dachte ich mir. Im Hinterkopf kreiste der legendäre 595 Abarth aus den 70iger Jahren. Diese kleinen Rennsemmeln rasten über Rennstrecken und enge Gassen von Bella Italia, als gebe es kein morgen mehr. Entsprechend gespannt war ich vor meinem Date mit der Neuauflage. Die Erwartungen ebenso entsprechend hoch. Und auf einem Parkplatz in Offenbach/Main wartet er, in einem zarten Pastellgrau mit weissen Abarth-Schriftzug auf den Türen.

Meine erste Enttäuschung hatte ich bereits beim ersten Türaufschlag. Himmel, warum habt ihr bei Fiat nur die Sitze so hoch angebracht? Wie soll da bitte schön Rennfeeling aufkommen? Na gut, ich nehme Platz und fühle mich wie auf einer Affenschaukel. Was hingegen einen sportlichen Eindruck vermittelt sind die belederten Sitze mit gutem Seitenhalt und feiner Optik.

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Tja, wäre ich mal mit meiner "feinen Optik" lieber ruhig gewesen. Das Cockpit erstahlt in einem Hartplastiklook. Bei dessem Anblick bin ich mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich in einem Lada der 80iger Jahre sitze oder im neuen 500er Abarth. Aber guuut, meine Finger umfassen das neu gestylte Sportlenkrad, welches wieder für das Cockpit teilweise entschädigt. Hochwertiges Abarth-Logo in der Mitte, unter abgeschrägt was endlich mal ein wenig Rennatmosphäre aufkommen lässt. Edles Verarbeitungsmaterial und guter Griff.

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Gut, ich würde sagen für das Erste genug geplappert. Lasst uns den Zwerg fahren. Was mir als erstes auffällt ist die Anzeige für den Turbo. Ja, die Abarth-Version ist in der Tat das Serien-1,4-Liter-Motörchen, welches zusätzlich beatmet wird. Normal belassen liefert der Kleine immerhin 180 Newtonmeter an die Vorderachse. Drückt man den Knopf für den Sportmodus, gibt es sogar 206 Newtonmeter. Laut Werksangabe soll der 500 Abarth sich mit 6,5 Liter im Drittelmix begnügen und Euro-5 tauglich sein. Falls dies überhaupt einen interessiert.

Das Fahrwerk ist recht straff ausgelegt. Nimmt man als Person von über 1,80 Meter auf den hinteren Sitzen Platz und wählt der Fahrer eine Strasse mit Bodenwellen, wird es zweifelsfrei Kopfnüsse für den hinteren geben. Wir wissen, wovon wir sprechen. Verlässt man den Stadtverkehr und bewegt sich Richtung Spessart, kommt man langsam auf den Geschmack. Hier macht das Fahrwerk richtig Spaß in der Landschaft um Mespelbrunn die häufigen Kurven zu räubern. Damit der Rennfloh im Kurvenausgang nicht über die Vorderräder schiebt, haben sich die Abarth-Entwickler etwas einfallen lassen. TTC steht auf dem Knopf in der Mittelkonsole. Das bedeutet Torque Transfer Control und dahinter verbirgt sich ein elektronisches Sperrdifferenzial, das Untersteuern per Bremseingriff minimieren soll. Und zwar ohne die bei ESP-Eingriffen übliche Rücknahme der Motorleistung. Was die Entwickler offensichtlich nachlässig behandelt haben ist die Lenkung, denn die ist ätzend indifferent. Von der teilweise störrischen Schaltung schweige ich mal als Mädel.

Ab Oktober 2008 verspricht Fiat Leuten wie mir Abhilfe, denen die 135 PS zu wenig sind. Dann gibt es einen Leistungskit, ähnlich wie beim Punto, der 160 PS aus dem Turbotriebwerk zaubern soll. Zusätzlich bekommt der Kunde dazu eine dekorative Holzkiste "Assetto Corse", in der alle Teile des Tuningkits geliefert werden.

Aber liebe Fiat-Entwickler, was machen die Leute, denen auch die 160 PS nicht reichen? Ich möchte die 200 PS aus dem Assetto Corse-Modell. Gibt es nicht? Macht nichts, bau ich mir dann halt selbst und wird Kandidat von "Bidgo`s next Showcar"

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